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Erlkönig

Steirische Verlagsgesellschaft / Leykam
2002

In einem Reigen, einer szenischen Aneinanderreihung von 64 Bildern erschafft Olga Flor ein oszillierendes Sittenbild zweier Generationen. Kurze, scharfe Sequenzen, die wie Shortcuts aneinander montiert sind, werfen Schlaglichter auf eine bröckelnde Gesellschaft. Nichts stimmt mehr, die Risse laufen quer. Einzig den Marktgesetzen wird Tribut gezollt: es sind die Leimruten, die die Handelnden zu Fall bringen. Die ältere Generation, personifiziert in den Figuren des Unternehmers Karl-Adolf Maier-Meienstein und seiner schmallippigen Frau, beharrt auf dem Erreichten. Die Haltung verliert man unter keinen Umständen, es sei denn, man kippt in den Wahnsinn. Die Lebensentwürfe der jüngeren Generation verbleiben innerhalb des boß Reaktiven: Sie schwanken zwischen den Verweigerungsversuchen des Sohnes Titus und der Angepasstheit Elisabeths, der Nichte Karl-Adolfs, deren Ehrgeiz bis zur Selbstverleugnung geht. Olga Flors Roman zeichnet sowohl eine suggestive Sprachkraft, als auch eine sehr klare Bildsprache aus. Ihre Figuren sind stimmig in ihrem Agieren und ihrer psychologischen Zeichnung. Trotz der strengen Geschlossenheit des dramatischen Aufbaus ist ein fließender Text entstanden, gleichsam ein Kaleidoskop verschiedener Szenen und Muster, mit einer wohltuenden lakonischen Distanz und Ironie ohne jegliches Pathos.

Pressestimmen

„… dann wird man … hineingezogen in einen Sog, in einen Wirbel gewitterartig aufkommender Worte“
Josef Winkler, Der Standard, Wien, 28.10.03


„Physik der Anarchie: Olga Flor verdichtet den Familienroman … Der Mythos perpetuiert seine Struktur, die Revolution wartet auf den Enkel.
Und Olga Flors Kunst und Ruhm wird wachsen.“